Die in jährlichem Turnus stattfindende Passivhaustagung hat sich mittlerweile zur Pflichtveranstaltung für alle entwickelt, die sich aktiv für die Verbreitung dieser Bauweise einsetzen. Sowohl detaillierte technische Informationen, wie dieser energetische Gebäudestandard in der Umsetzung zu erreichen ist, als auch eine Vielzahl realisierter Projekte werden präsentiert. Im April 2007 fand die 11. Tagung in Bregenz statt und lockte die rekordverdächtige Zahl von über 1000 Teilnehmern in das Festspielhaus am Bodensee. Aus 40 Ländern kamen Architekten, Fachplaner, Unternehmer und Energieberater sowie Mitarbeiter von Baubehörden, Produktherstellern und Handwerksbetrieben, um sich aus den Fachvorträgen von 72 Referenten über die neuesten Entwicklungen des energieeffizienten Bauens das Interessanteste herauszupicken. Die Veranstaltung stand unter dem Motto »Mit dem Passivhaus nachhaltige Baukultur schaffen« und so herrschte unter den Vortragenden weitgehend Einigkeit, dass das Haus der Zukunft in jedem Fall ein Passivhaus sein muss. Zugleich wurde deutlich, dass die bereits in frühen Pionierprojekten wie dem ersten 1990 entstandenen Passivhaus in Darmstadt eingesetzten Techniken inzwischen weiterentwickelt, lange erprobt und »serienreif« sind. Sie sind keineswegs kompliziert, erfordern aber eine äußerst sorgfältige Ausführung. Wenige klare Prinzipien wie sehr hohe Wärmedämmung bei kompaktem Baukörper, der Einsatz von Dreischeiben-Isolierverglasungen und der Einbau einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung bilden die Grundlage des energetischen Konzepts. Der geringe Heizenergiebedarf solcher Gebäude ermöglicht es, regional verfügbare erneuerbare Energiequellen einzusetzen. Das Klima im Inneren empfinden die meisten Nutzer als angenehm. Alte Vorurteile, man dürfe in einem Passivhaus kein Fenster öffnen, wurden auf der Tagung ausgeräumt. Der Nutzer bleibt jedoch mit seinem Lüftungsverhalten mitverantwortlich für die errechneten Heizenergieverbrauchswerte - wer bei strenger Kälte die Fenster offen stehen lässt, »verhagelt« die Energiebilanz.
Im Programm hatten vor allem die internationalen Beiträge neugierig gemacht. Schade, dass sich in den Vorträgen zeigte, dass die Entwicklung in Regionen wie USA oder Osteuropa bis auf einige Pilotprojekte noch nicht so weit ist wie erhofft. Nirgendwo sonst kann man allerdings auch eine derartige politische Unterstützung der Passivhausidee finden wie in Vorarlberg, wo die Förderung für gemeinnützige Wohnbauten seit Jahresbeginn an diesen Energiestandard gebunden ist, was für einen regelrechten Aufschwung des energieeffizienten Bauens sorgt. Zu den interessantesten auf der Tagung gezeigten Projekten gehört die in diesem Heft dokumentierte Wohnanlage Samer/Mösl in Salzburg von sps-Architekten. In einigen der Vorträge klang eine Diskussion über das Verhältnis von Architekturqualität und Energieeffizienz an, etwa über die Frage, ob Passivhaustechnik die Gestaltungsfreiheit einschränkt. Ein Thema, das auf der kommenden Tagung 2008 durchaus vertieft werden könnte. Sehr sinnvoll war die Ergänzung der Veranstaltung um eine kleine Messe mit passivhaustauglichen Bauprodukten »zum Anfassen«. Im Anschluss an die Tagung fanden Exkursionen per Bus zu exemplarischen Gebäuden im Bregenzer Raum statt – eine gute Gelegenheit, das Gehörte an Beispielen in Augenschein zu nehmen. Diese zeigten, dass es auch bei energieeffizientem Bauen immer um architektonische Themen geht – beim Geschosswohnungsbau Sandgrubenweg in Bregenz etwa überzeugte vor allem die Ausbildung der Übergänge von innen nach außen in Form individueller, den Wohnungen zugeordneter Freibereiche.