Das Teehaus entwarf Kengo Kuma im Jahr 2005 zu Ehren des berühmten japanischen Teemeisters Furuta Oribe, dem im Präfekturgebäude von Gifu eine Keramikausstellung gewidmet war. Der Pavillon, eine Neuinterpretation des traditionellen japanischen Teehauses, misst 6 ≈ 3,4 m und ist vollständig in Polycarbonat ausgeführt. Der Pavillon organischer Form besteht aus 92 Rippen aus Polycarbonatstegplatten, 5 mm dick bei einem Abstand von 5,5 cm. Sie bilden eine transluzente Hülle, die den inneren Raum aufspannt und gleichzeitig das Licht eindringen lässt. Abstandshalter, ebenfalls aus Polycarbonat, verbinden die Rippen und deren Einzelteile, da diese nicht immer aus einem Einzelpaneel angefertigt sind, sondern aus zwei bis drei entsprechend zugeschnittenen Teilen. Das Podest, 18,5 cm hoch, ist aus 20 mm dicken Polycarbonatpaneelen, die sich auf eine Unterkonstruktion aus Trapezprofilen aus 2 mm dickem weißem Polycarbonat stützen, die quer angeordnet und mit Klettstreifen auf Holzpaneelen befestigt sind. Sie tragen eine Reihe von Leuchtstoffröhren. Aufgrund der transluzenten Eigenschaften von Polycarbonat und der besonderen Form eines Trapezprofils wird das Podest zur Leuchtquelle, die die Rippen des Pavillons mit Licht durchfluten.
Nachbau im Entwurfsseminar
Die Realisierung des Pavillons ist das Ergebnis eines Entwurfsseminars, das im Rahmen eines Workshops am Fachbereich Architektur der Universität in Ascoli Piceno stattfand. Der viermonatige Kurs mit 16 Studenten war in drei Abschnitte unterteilt: Studium des Originalprojekts, Entwurf und Realisierung der einzelnen Bauteile, Montage.
In der ersten Phase wurde der Entwurf des Pavillons, basierend auf den von Kengo Kuma zur Verfügung gestellten Originalplänen, analysiert, erneut gezeichnet und in Form von virtuellen und physischen Modellen rekonstruiert, um die einzelnen Teile und deren Verbindung untereinander zu verstehen. Auf diese Weise ergaben sich drei Hauptelemente: Die Rippen, die Abstandshalter und das Podest.
In der zweiten Phase arbeiteten wir eng mit den Firmen zusammen, die das Projekt unterstützt und für die Realisierung des Vorhabens nicht nur Materialien und Produkte, sondern auch ihr technisches und organisatorisches Wissen für die Entwicklung technischer und konstruktiver Lösungen zur Verfügung gestellt haben. In Kooperation mit den Firmen und Kengo Kuma persönlich wurde eine neue Ausführungsplanung erarbeitet, die Änderungen gegenüber dem Original vorsieht. Die 92 Rippen wurden aus farblosen Polycarbonatstegplatten, 6 mm dick (in Europa sind Platten mit einer Dicke von 5 mm nicht verfügbar) in vier verschiedenen Größen (210 ≈ 200 cm, 210 ≈ 250 cm, 210 ≈ 300 cm, 210 ≈ 350 cm) erstellt. Jede Rippe wurde auf Basis ihrer Dimension und Position im Pavillon aus zwei oder drei Polycarbonatpaneelen geschnitten. Um die Diffusion des Lichts zu verbessern, wurden die Rippen mit vertikal orientierten Kanälen angeordnet. Die Methode, die Einzelteile zu verbinden, übernahmen wir: die Verwendung von Abstandshaltern aus Polycarbonat (6 mm Dicke und 6,5 ≈ 10 cm), in deren Kanälen Kabelbinder geführt sind. Die wichtigste Änderung betraf das Podest: Das von Kuma vorgesehene, vollständig aus Polycarbonat bestehende Bauteil wurde durch Glasbausteine (20 cm ≈ 20 cm) ersetzt, die in ein quadratisches Raster aus Aluminiumprofilen eingehängt sind. Dieses liegt auf höhenverstellbaren Füßen auf. Die Elemente aus 1200 Glasbausteinen bilden ein recht-eckiges Podest (6 m ≈ 8 m) – ein »leuchtendes Tablett«, auf dem die Rippen stehen. Aufgrund dieser Änderungen modifizierten wir auch die Lichtinstallation: Unter dem Aluminiumbaukörper sind 32 Leuchtstoffröhren angebracht, verbunden mit einem Dimmer, der die Lichtintensität reguliert und ein »leuchtendes Atmen« des Pavillons simuliert: Die Rippen entmaterialisieren sich, innerer und äußerer Raum gehen fließend ineinander über. Die Montage des Pavillons in der Kirche dauerte eine Woche.
Der Nachbau des Oribe-Teehauses von Kengo Kuma war ein in der Architektenausbildung Italiens sehr seltenes didaktisches Experiment. Die Studenten kamen dabei in Kontakt mit allen Aspekten, die den Entwurfs- und Konstruktionsprozess, unabhängig vom Maßstab, charakterisieren. Studenten und Dozenten hatten die Möglichkeit, in der Praxis das Innovationspotenzial der Industrie im Hinblick auf Materialien, Technik, Logistik und Know-how experimentell zu erweitern. Die Industriebetriebe, die die Realisierung des Pavillons unterstützt haben, konnten andererseits technische Hypothesen testen, um mögliche Anwendungsbereiche von Produkten und Technologien, die meist auf einzelne Marktsegmente beschränkt bleiben, erschließen zu können.
Insbesondere hebt der Pavillon die ästhetische und funktionale Qualität von Polycarbonat hervor, das meist als »billiges« Baumaterial betrachtet wird und in Industriegebäuden Verwendung findet. Das Material setzte Kengo Kuma bewusst ein, um eine Verbindung zwischen Materie und Licht herzustellen – und die japanische Teehaus-Tradition fortzuführen.






