Satteldächer: Sparrendach und Kehlbalkendach

 - Gustav Blohm

Konstruktion und Spannweiten einfaches Sparrendach

Satteldächer: Sparrendach und Kehlbalkendach
Abb. 568 a. - b. // Das Sparrendach, Längsschnitt // Abb. 569. Sparrendach mit Kehl- oder Hahnenbalken.

Satteldächer mit unterstützter Balkenlage, deren Konstruktionen wir, mit den einfachsten und mit den geringsten Spannweiten beginnend, nunmehr erläutern wollen. Die bei den Satteldächern vorkommenden Konstruktionen kehren in derselben oder in ähnlicher Form auch bei den anderen Arten wieder; wir können demnach, wenn wir dieselben in diesem Abschnitt eingehender erläutern, später in knapper Form darauf zurückkommen.

Die einfachste Konstruktion eines Satteldaches über 5 m Spannweite ist in Abb. 568 a wiedergegeben. Es werden hier nur Sparrengebinde aufgestellt. Die Sparren setzen sich mit Zapfen und Versatz in den Balken, am First sind sie durch Scherzapfen verbunden (siehe Querschnitt des Daches). Eines Querverbandes bedarf es bei dieser geringen Spannweite nicht. Der Längsverband ist hier, wie aus dem Längsschnitt (Abb. 568 b) ersichtlich, durch sogenannte Windlatten oder Sturmlatten, auch Windrispen genannt, hergestellt; es sind dies starke Latten, welche in diagonaler Richtung an die Unterseite der Sparren genagelt werden, und zwar erhalten sie bei jedem Sparren einen Nagel.

Wird die Spannweite größer, bis zu 7 m, so kommt ein neues Konstruktionsholz hinzu, der Kehlbalken k in Abb. 569. Dieser Kehlbalken wird beiderseits in die Sparren eingezapft und muß natürlich an jedem Gebinde vorhanden sein.

Der Kehlbalken muß so hoch über der Balkenlage angebracht sein, daß ein Mensch bequem darunter hindurchgehen kann. Zuweilen kann es erforderlich sein, daß über dem Kehlbalken ein zweites ähnliches Holz entsprechend höher angebracht wird. Ein solcher zweiter Kehlbalken heißt gewöhnlich Hahnenbalken. Der Längsverband wird bei den bisher genannten Dächern, die man als Kehlbalkendächer bezeichnet, durch die schon oben genannten Windlatten hergestellt.

Es sei hier gleich eines neuen Konstruktionsholzes gedacht, welches hin und wieder angewendet wird, wenn den Sparren an ihren: unteren Ende eine flachere Neigung gegeben werden soll oder muß, des Aufschieblings. Es ist dies ein Holz von größerer oder geringerer Länge,
welches entweder ganz oder an seinem oberen Ende keilförmig zugeschnitten ist und auf den Sparren mit starken Nägeln befestigt wird (Abb. 570). Reichen die Aufschieblinge weit auf die Sparren hinauf, wird demgemäß der Abstand zwischen ihnen und dem Sparren groß, so müssen sie gestützt werden (Abb. 571).

Werden die Spannweiten noch größer, so genügt die Anwendung eines Kehlbalkens, der bei jedem Sparrengebinde wiederholt wird, nicht mehr, auch der durch Windrispen hergestellte Längsverband ist nur unvollkommen. Wir kommen deshalb dazu, wieder ein neues Konstruktionsholz einzufügen, das Rähm oder die Pfette (ersterer Name ist schon beim Fachwerk vorgekommen). Rähme oder Pfetten sind Hölzer, welche durch die ganze Länge des Daches hindurchgehen und direkt oder indirekt zur Unterstützung der Sparren dienen. Die Bezeichnungen „Rähm“ und „Pfette“ sind stets sinngemäß anzuwenden. Zu dem Begriffe „Pfette“ gehört jedenfalls der Umstand, daß die Sparren unmittelbar auf dieselbe aufgeklaut sind, während die horizontalen Hölzer, welche zur Unterstützung des Kehlbalkens und durch ihn (also indirekt) zur Unterstützung der Sparren dienen, mit Rähm, Dachrähm oder Stuhlrähm bezeichnet werden. Bleiben wir zunächst dabei, daß wir einen Kehlbalken anwenden und diesen durch ein oder mehrere Rähme unterstützen, so müssen wir auch wiederum eine Unterstützung der Rähme haben; diese erfolgt unter der Annahme, daß eine Dachbalkenlage vorhanden und diese zwischen den Umfassungsmauern unterstützt ist, durch Stützen, Stiele, Pfosten, Ständer, Säulen, welche auf die Balken gestellt werden. Sie stehen meistens in der Ebene eines Gespärres, wiederholen sich jedoch nicht bei jedem Gespärre, sondern nur in Entfernungen von 4-5 m. Die Gespärre nun, in denen sich die Stützen wiederholen, nennt man Bindergespärre, Hauptgespärre, auch schlechtweg Dachbinder oder Binder und die dazwischenliegenden Gespärre heißen Leergespärre, Zwischengespärre, Leergebinde. Die Verbindung der Rähme oder Pfetten mit den Stützen usw. bezeichnet man mit dem Namen Dachstuhl, und die durch einen Dachstuhl getragenen Dächer heißen Stuhldächer. Die Stützen können nun entweder senkrecht oder geneigt stehen, und demgemäß bezeichnet man den Dachstuhl als stehenden oder liegenden Stuhl.

Bleiben wir, wie schon erwähnt, nun zunächst dabei, daß die Rähme Kehlbalken zu unterstützen haben, so kommen wir zu den Kehlbalken-Stuhldächern, auch noch Kehlbalkendächer genannt. Die die Rähme (oder Pfetten) unterstützenden Pfosten eines Dachstuhles heißen Stuhlpfosten oder Stuhlsäulen, die Verbindung eines Rähmes mit einer Anzahl Stuhlpfosten eine Stuhlwand, und je nachdem man in einem Dachstuhl eine, zwei oder mehrere Stuhlwände anwendet, unterscheidet man den einfachen, doppelten, dreifachen (stehenden oder liegenden) Dachstuhl. In Abb. 572 ist zunächst ein einfacher stehender Stuhl wiedergegeben. Abb. 573 a zeigt den Querschnitt eines doppelten stehenden Stuhles, Abb. 573 b den Längsschnitt desselben, Abb. 574 endlich einen dreifachen stehenden Stuhl. Aus dieser
Abbildung ist auch die Anordnung eines zweiten Kehlbalkens, des Hahnenbalkens, und die Anwendung von allerdings sehr langen Aufschieblingen ersichtlich. Die Höhenlage des Kehlbalkens ist einerseits nach der Höhe von 1,7-2 m über dem Dachfußboden gegeben, andererseits ist aber auch zu beachten, daß die Sparren sich nur auf 3,8 bis höchstens 4,5 m frei tragen dürfen. Demgemäß ist eben die Anordnung eines Hahnenbalkens erforderlich.

Die Anzahl der Unterstützungen (durch Rähme und Pfosten) in einem Binder richtet sich nach der Länge des Kehlbalkens. Es ist hierbei zu beachten, daß man sowohl Kehlbalken als auch Rähm nicht gern über 4,5 m frei tragen läßt. Um dieses beim letzteren, beim Rähm, zu bewerkstelligen, zugleich aber auch, was ebenso wichtig ist, um den erforderlichen Längsverband des Daches herzustellen, ordnet man, wie aus Abb. 573 b ersichtlich, Kopfbänder k an. Um die freitragende Länge des Kehlbalkens möglichst gering zu machen, rückt man die Stuhlsäulen näher aneinander und von den Sparren ab; man kann aber auch hier, wie in Abb. 573 a punktiert angegeben, Kopfbänder l anwenden, doch ist dies nicht sehr zu empfehlen, da durch ein solches einseitiges Kopfband ein einseitiger Druck auf die Stuhlsäule ausgeübt wird.