Wände aus Glasbausteinen

 - Hermann Reiher

Glasbausteinwände und deren obere, untere und seitliche Anschlüsse

Wände aus Glasbausteinen
Bild 27. // Glasbaustein-Wände und deren obere, untere und seitliche Anschlüss

Bezeichnend für alle hier behandelten Glaskörper sind die tief unterschnittenen Seiten-, d. h. Fugenflächen. Der sie ausfüllende Mörtel oder Beton bildet innerhalb der Glaswand ein durch Rundeiseneinlagen armiertes System von schwalbenschwanzartigen Betonrippen (siehe Bild 27 rechts). Diese Form der Fugen ist auch deshalb notwendig, um die Einbettung der Rundeisen in den Mörtel zu ermöglichen und weil Glas und Mörtel oder Beton keine nennenswerte Haftung miteinander eingehen und daher die Fugen so ausgebildet sein müssen, daß die Glaskörper fest und unverschieblich verklammert sind.

Glasbausteine und Glasstahlbeton im Entwurf und an der Baustelle.

Mit Glasbausteinen kann ein intelligenter und geschickter Maurer bald umgehen; auch stehen Verlegeanweisungen der Hersteller zur Verfügung. Als Mörtel wird verlängerter Zementmörtel in folgenden Zusammensetzungen empfohlen: 1 Zement - 1 Kalk - 3-4 Sand; oder: 3 Zement - 1 Kalk - 8 Sand und ein kleiner Zuschlag gesiebtes Sägemehl (etwa 1 Raumteil). Nur für Innenwände genügt: 1 Zement - 2 Kalk - 6 Sand. Der Mörtel darf nur erdfeucht sein, denn das Glas saugt kein überschüssiges Wasser ab. In der Regel kommt in jede Lagerfuge ein dünner Rundstahl, und nach jeder sechsten Schicht ist eine Arbeitsunterbrechung nützlich, damit sich das Glasmauerwerk gleichmäßig setzt. Überhaupt ist zu empfehlen, größere Flächen aus Glasbausteinen erst dann auszuführen, wenn sich das andere Mauerwerk einschließlich der Unterzüge, Stürze usw. genügend gesetzt hat.

Im ganzen sind bei Stehverglasungen folgende Grundsätze wohl zu beachten: 1. Glaswände tragen ihr Eigengewicht, dürfen aber nicht zusätzlich lotrecht belastet werden. 2. Jede Glaswand muß auf allen vier Seiten durch Dehnungsfugen mit elastischen Einlagen (Bitumenstrick, dauernd geschmeidig bleibende Bitumenschicht, Glasfaserkordel o. ä.) von andern Bauteilen getrennt werden. Das gilt besonders bei Unterzügen und Stürzen aus Stahl oder Stahlbeton; der Dehnungsspielraum unter solchen sich etwa durchbiegenden Konstruktionen soll nicht unter 3 cm betragen und kann gegen Luftdurchgang usw. mit Glaswolle oder ähnlichem Material ausgestopft werden. 3. Dem Schutz gegen seitliche Durchbiegung dienen die schon erwähnten Rundeiseneinlagen. Auch diese dürfen mit dem Glas selbst nicht in Berührung stehen, sondern sollen ganz vom Fugenmörtel umhüllt und seitlich im Mauerwerk oder einem umlaufenden Betonrahmen verankert sein. 4. Solche Rahmen sind statisch mindestens erwünscht, aber auch schönheitlich zu empfehlen.